1. Februar 2012

Sehr schade.

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Vergangene Woche trat die Musikalische Komödie an uns heran mit der Bitte, ein Sneak Preview für ihre Premiere des Grafen von Monte Christo zu ermöglichen. Die MuKo möchte gern junges Publikum erreichen; um das in die Tat umzusetzen ist die Moritzbastei am Mittwoch nicht der schlechteste Ort. Was als gute Idee begann und darum von uns auch gerne unterstützt wurde, endete heute um 15 Uhr mit der Absage der Veranstaltung. Einer der Hauptdarsteller sei erkältet, die Premiere am Samstag in der MuKo dürfe nicht gefährdet werden.

Gute Besserung an den Sänger. Viel Erfolg für die Premiere, von Herzen. Wenn wir trotzdem vorsichtig einen Hinweis geben dürfen, wie man junges, aufgeschlossenes Publikum vor den Kopf stößt: Genau so.

Keine Ahnung, warum der MuKo die Idee für einen Sneak Preview eine Woche vor der Premiere zufliegt. Ideen sind frei, kann schon mal passieren, dass sie so kurzfristig auftauchen. Schön, dass es so flexible und aufgeschlossene Veranstalter wie uns gibt, die dann bei der Umsetzung helfen. Schön, wenn die Werbung rund läuft, Newsletter verschickt werden, die sozialen Netzwerke netzwerken, das Uni-Radio Mephisto97.6 und kreuzer-online Tagestipps veröffentlichen und also Hoffnung besteht, dass die junge, urbane Zielgruppe wunschgemäß erreicht werden könnte.

Absolut gar nicht geht allerdings, die Veranstaltung dann ein paar Stunden abzusagen. Absagen kann man schon, aber doch nur telefonisch in der Moritzbastei! Keine Information auf der Website der Oper? Kein Erklärung im niegelnagelneuen Opern-Blog? Keine Info auf der facebook-Präsenz der Oper, die Muko bittet um 16:30 Uhr auf facebook noch daran, den Termin heute abend nicht zu vergessen! Selbstverständlich schweigt auch die twitter-Präsenz der Oper (die wurde am 9. Dezember letztmalig genutzt) und die MuKo twittert die Absage – wie überraschend – nicht.

Was erwartet also die jungen, urbanen, interessierten Leute, die nicht wissen, dass ihr Schnupperbesuch in der Welt der Musical heute abend nicht stattfindet? Die sich durch 10 Grad minus in die Moritzbastei kämpfen? Richtig. Genau NICHTS.

Keine Darsteller des Musicals, die vielleicht einen Ersatz bieten. Spontan, ohne Kostüm den Reiz ihrer Arbeit vermitteln und zeigen, dass Operette/Musical von Menschen gemacht werden, die auch im 21. Jahrhundert leben – wie ihre Gäste. Keine Verantwortlichen der MuKo, die um Verständnis bitten und erklären, die vielleicht sogar eine kleine Entschädigung für den geplatzen Abend bieten. Ein Freigetränk in der MB, eine ermäßigte oder gar Freikarte für eine reguläre Vorstellung des Grafen von Monte Christo. Eine Hörprobe als CD oder MP3. Das ist nur, was mir beim Schreiben dieser Zeilen einfällt.
Ganz zu schweigen, mit uns von der Moritzbastei darüber zu reden, wie wir die MuKo beim Gästetrösten vertreten könnten.

Kurz und gut: Hätte ich heute abend vorgehabt, mir den Sneak Preview anzusehen, hätte einen Babysitter besorgt, wäre auf Glatteis durch die Leipziger Arktis geschlittert, um dann in der Moritzbastei vor verschlossener Tür zu stehen, ich wäre mir erstklassig verarscht vorgekommen.

Womit der Frust von der Seele geschrieben ist. Bleibt zu hoffen, dass diese Aktion ein Unfall ist und kein Beispiel dafür, wie Oper und MuKo mit den Erwartungen ihres Publikums umgehen. Da wir aber selbst im Ärger freundlich bleiben, schließen wir mit einem Angebot. Beim nächsten Mal helfen wir gerne dabei, es besser zu machen.


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