Aus dem Stiftungsauftrag ergibt sich das Profil unserer Kulturarbeit: auf der einen Seite Kultur in ihrer ganzen Breite und Tiefe anzubieten, auf der anderen Seite wirtschaftlich unabhängig zu agieren.
Gehört die Moritzbastei zur Universität?
Antwort
Nein. Das historische Gebäude gehört der Stadt Leipzig. Bewirtschaftet wird die Moritzbastei durch die Moritzbastei Betriebs GmbH im Auftrag der Stiftung Moritzbastei.
Was ist die Stiftung Moritzbastei?
Antwort
Zweck der Stiftung ist die Erhaltung der Moritzbastei als historisches Bauwerk und als Forum kultureller Begegnung im studentischen Leben von Leipzig. Der Vorstand besteht aus drei Mitgliedern, geborenes Mitglied ist der Rektor der Universität Leipzig. Die übrigen Mitglieder werden vom Kuratorium der Stiftung auf die Dauer von vier Jahren gewählt.
Wer sitzt im Kuratorium der Stiftung Moritzbastei?
Antwort
Das Kuratorium besteht aus 6 Mitgliedern. Sie werden vom Senat der Universität Leipzig für die Dauer von 4 Jahren bestellt. Sind die Stadt Leipzig und der Freistaat Sachsen dazu bereit, steht ihnen jeweils das Benennungsrecht für einen der sechs Sitze im Kuratorium zu. Ein vom Vorstand des Moritzbastei e.V. benanntes Mitglied hat das Recht, an den Sitzungen des Kuratoriums mit beratender Stimme teilzunehmen.
Was sind die Aufgaben des Kuratoriums?
Antwort
Das Kuratorium wacht über die Einhaltung des Stiftungszwecks und berät den Vorstand bei seiner Arbeit. Das Kuratorium tritt mindestens zwei Mal im Jahr zusammen.
Erhält die Moritzbastei Betriebs GmbH oder die Stiftung öffentliche Subventionen?
Antwort
Nein. Die Stiftung ist bis zum Jahr 2023 Pächterin des Gebäudes, der Pachtzins beträgt 1DM (0,5 Euro) pro Jahr. Alle Mittel zum Erhalt und Betrieb der Moritzbastei erwirtschaftet die Moritzbastei selbst. Unterstützt wird sie durch Sponsoren. Der Anteil von Sponsormitteln am Jahresumsatz beträgt ca. 3 Prozent.
Wie viele Mitarbeiter hat die Moritzbastei Betriebs GmbH?
Antwort
Fest angestellt sind ca. 25 Mitarbeiter in den Bereichen Verwaltung, Programm, Gastronomie und Technik. Dazu arbeiten über 100 studentische Mitarbeiter auf Pauschallohnbasis mit.
Wann wurde die Moritzbastei gebaut?
Antwort
In den Jahren 1551-1554 wurde die Stadtbefestigung von Leipzig erneuert. Die Moritzbastei entstand dabei als eine von vier Eckbastionen der Stadtmauer.
Woher kommt der Name „Moritzbastei“?
Antwort
Baumeister war der damalige Bürgermeister Leipzigs, Hieronymus Lotter, im Auftrag des Kurfürsten Moritz von Sachsen. Ursprünglich wurde die Bastei als „Henkersbastei“ bezeichnet, da sie an der Stelle des ehemaligen „Henkersturms“ errichtet worden sein soll. Der Volksmund gab ihr den heutigen Namen mit Bezug auf Moritz von Sachsen.
Sah die Moritzbastei 1554 so aus wie heute?
Antwort
Nein. Die wichtigsten baulichen Änderungen wurden im 19. Jahrhundert durch den Architekten Johann Carl Friedrich Dauthe vorgenommen. In die ursprünglich mit Sand verfüllte Außenmauer wurden Gewölbekeller eingemauert, der heutige „Oberkeller“ entstand. Außerdem war die Moritzbastei direkt mit der Stadtmauer verbunden. Die Anlage stand ebenerdig, wogegen sie heute unterhalb des Umgebungsniveaus liegt. Während des Wiederaufbaus in den 1970er Jahren wurden Büro- und Wirtschaftsräume neu angelegt, neue Treppen- und Deckensysteme installiert.
Gibt es noch „unentdeckte“ Gewölbe?
Antwort
Nein. Die Anlage wurde während des Wiederaufbaus in den 1970er Jahren komplett freigelegt.
Die Sage berichtet von einem Geheimgang zwischen Rathaus und Moritzbastei?
Antwort
Wie an jeder Sage findet sich auch hier ein Körnchen Wahrheit. Die Leipziger Stadtmauer verfügte über einen „Wachgang“, der die Tore und die Bastionen miteinander verband. Reste davon sind das heutige „Schwalbennest“, der „Fuchsbau“ und die „Galerie“. Der Gang war aber weder geheim noch führte er zum Rathaus. Die „Pleißenburg“, südwestliche und größte Eckbastion der alten Anlage, wurde erst Ende des 19. Jahrhunderts zum „Neuen Rathaus“. Da existierten die Wallanlagen aus dem 16. Jahrhundert aber schon längst nicht mehr. Es gab also nie eine Verbindung zwischen Moritzbastei und Rathaus, wohl aber eine zur Pleißenburg.
An der Moritzbastei liegt eine Pyramide mit steinernen Kanonenkugeln. Was hat es mit diesen auf sich?
Antwort
Die Kanonenkugeln stammen weder aus dem Dreißigjährigen Krieg – da schoß man bereits mit Metall - , wie die verwitterte Inschrift behauptet, noch haben sie einen Bezug zur Moritzbastei. Wahrscheinlich wurden sie im Schmalkaldischen Krieg auf Leipzig gefeuert und bei der Neugestaltung der Leipziger Südvorstadt im 19. Jahrhundert ausgegraben. Wann und wie sie zur Moritzbastei gelangten, ist nicht gesichert.
Wurde die Moritzbastei je von fremden Truppen gestürmt?
Antwort
Ja, und zwar von hinten. Als Verteidigungsanlage war sie von Anfang an relativ altmodisch. Die Schweden eroberten die Stadt im Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) über andere Schwachstellen der Stadtmauer. Infolgedessen und aufgrund des steten Wachstums der Messestadt wurden die Stadtbefestigungsanlagen auch schon bald wieder abgerissen. Nur die Pleißenburg (heutiges „Neues Rathaus“) und die Moritzbastei blieben erhalten.
Was passierte mit der Moritzbastei nach dem Abriss der Stadtmauern?
Antwort
Wahrscheinlich dienten die Räume als Werkstatt- und Lagerräume für Kohlenhändler, Seifensieder, Glockengießer… Während der Völkerschlacht 1813 soll die Moritzbastei als Lazarett für verwundete russische Soldaten gedient haben.
Warum wurde die Moritzbastei mit einer Schule überbaut?
Antwort
Ende des 18. Jahrhunderts wird die Moritzbastei wahrscheinlich schon recht baufällig gewesen sein. Der Architekt Dauthe, (gab auch dem Innenraum der Nikolaikirche sein heutiges Aussehen) wurde mit der Überbauung der Anlage betraut. Die Arbeiten begannen um das Jahr 1800 und zogen sich bis 1834 hin. Zum einen gab es Probleme mit dem Fundament (Leipzig steht auf sumpfigem Gelände), zum anderen wurde die Moritzbastei zur Kelleranlage umgebaut.
Was hat es mit der „Bürgerschule“ und der „St.-Annen-Schule“ auf sich?
Antwort
In der „Bürgerschule“ wurden ab 1834 erstmalig in Deutschland Kinder protestantischer mit Kindern katholischer Konfession in gemeinsamen Klassen unterrichtet. Ende des 19. Jahrhunderts wurde sie zur „Schule für höhere Frauenberufe“ umgewandelt. Darunter verstand man hauswirtschaftliche und kaufmännische Ausbildungen. Auch diese Schule war sehr fortschrittlich, eine Berufsausbildung für Frauen war zu dieser Zeit alles andere als selbstverständlich.
Wann wurde die Moritzbastei zerstört?
Antwort
Während der Bombardierung Leipzigs 1943 wurde die „St.-Annen-Schule“ schwer beschädigt. Nach dem 2. Weltkrieg wurden die Trümmer abgerissen und die Gewölbekeller mit Schutt verfüllt. Das gesamte Areal südlich der Grimmaischen Straße bis zum Wilhelm-Leuschner-Platz blieb bis Ende der 1960er Jahre unbebaut, die alten Basteianlagen überwucherten mit Bäumen und Sträuchern.
Wie kam es zum Wiederaufbau der Moritzbastei?
Antwort
Im Jahr 1968 wurde der Grundstein für den neuen Universitätscampus am Augustusplatz gelegt. Ein „Studentenclub“ war bei den Neubauten nicht vorgesehen – sehr zum Ärger der Studenten. Der damalige Rektor und Funktionäre der FDJ-Kreisleitung engagierten sich schließlich dafür, die Moritzbastei wieder aufzubauen und als Studentenclub zu nutzen.
Gab es Vorbilder für diese Idee?
Antwort
Ja. In Halle, Dresden und Weimar. Allerdings waren die dort umgebauten Wallanlagen weit kleiner als die Moritzbastei.
Haben tatsächlich nur Studenten die Moritzbastei wieder aufgebaut?
Antwort
Nein. In der Anfangszeit waren es tatsächlich Studenteneinsätze, in denen die Gewölbe von Schutt befreit wurden. Es gab eine „professionelle“ Bauleitung und verantwortliche Architekten. Je weiter die Arbeiten voran schritten, um so mehr wurde die Arbeit von Spezialisten notwendig, die von Handwerks- und Baubetrieben geleistet wurde. Die Studenten haben allerdings einen Hauptanteil an der Arbeit. Dokumentiert sind ca. 30.000 Studierende, die über 150.000 Arbeitsstunden leisteten.
Haben die Studenten wirklich unbezahlt gearbeitet?
Antwort
Unbezahlt ja. Für eine gewisse Anzahl Arbeitsstunden gab es eine „Erbauerkarte“, die zum kostenlosen Eintritt bei den Kulturveranstaltungen berechtigte – auf Lebenszeit!
Geschah das alles freiwillig?
Antwort
„Freiwilligkeit“ hatte zu DDR-Zeiten eine eigene Bedeutung. In der Universitätszeitung wurde währen der Bauzeit oft geklagt, dass sich zu wenige Studenten zum Einsatz an der Moritzbastei melden würden. Später wurden „Wettbewerbe“ zwischen den einzelnen Fakultäten ins Leben gerufen. Diesen Wettbewerben konnte man sich als Student nur schwerlich entziehen, auch wenn niemand zur Teilnahme gezwungen wurde.
Stimmt es, dass auch Strafgefangene am Wiederaufbau beteiligt waren?
Antwort
Es gibt Berichte, dass sowohl „Bausoldaten“ als auch Strafgefangene zur Arbeit an der Moritzbastei abkommandiert wurden. Welche Tätigkeiten sie ausführten und in welchem Umfang solche Einsätze stattfanden, ist uns nicht bekannt.
Stimmt es, dass die Moritzbastei die "größte Schwarzbaustelle der DDR" war?
Antwort
Nun ja, es liegt kein Ranking „Schwarzbaustellen der DDR“ vor… Richtig ist, dass die Bauarbeiten alle erwarteten Ausmaße sprengten und die Finanzierung im Laufe der Zeit für DDR-Verhältnisse immer „kreativer“ gehandhabt wurde. Es wurden wohl viele politische Handlungsspielräume sehr weit und sehr eigenwillig ausgelegt, um das Projekt zu Ende zu bringen. In einer Marktwirtschaft würde man das vielleicht „Verschwendung von Steuermitteln“ nennen. Die DDR war aber keine Marktwirtschaft…
Stimmt es, dass ein Teil der Moritzbastei bis 1989 nicht für das Publikum geöffnet war?
Antwort
Ja, die „Ratstonne“. Sie stand ausschließlich der Parteileitung und dem Stadtrat zur Verfügung, mit eigenem Eingang, eigener Toilette und eigenem Zugang zur Küche. Selbst das Personal der Moritzbastei hatte keinen Zutritt. Grund dafür war ein Streit zwischen Zentralregierung und Leipziger Stadtrat über die Verwendung von „Plansummen“ für die Moritzbastei. Die Stadt „kaufte“ damit die Ratstonne, die Moritzbastei blieb im Gegenzug der Universität erhalten.
Wann fanden die ersten Kulturveranstaltungen statt?
Antwort
„Baustellenkonzerte“ gab es schon ab 1975, der Oberkeller wurde 1979 eröffnet, die gesamte Moritzbastei 1982 an die Universität übergeben.
Stimmt es, dass Angela Merkel beim Wiederaufbau mit geholfen hat?
Antwort
Ja. Sie hat im Jahr 2003 einen neuen „Erbauerausweis“ von uns in Empfang genommen. Den hat sie sie sich mit deutlich mehr als den dafür nötigen 50 Aufbaustunden während ihres Studiums in Leipzig auch redlich verdient.