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Vom Wiederaufbau bis zur Wiedervereinigung 1973-1990

1973
Werner Teichmann und Norbert Gustmann, beide kennen sich aus der FDJ-Kreisleitung der Universität, werben für ein "Studentenprojekt Moritzbastei". Vorbild für den Ausbau der Moritzbastei ist der Studentenclub "Turm" in Halle, der 1972/73 fertig gestellt wurde. Die Architekten Reinhard Plewe und Bernd Lauenroth, die den Hallenser Turm projektiert hatten, werden für das Projekt Moritzbastei gewonnen.

1974
Am 30. März erfolgt der erste Spatenstich zum Wiederaufbau der Moritzbastei. Wichtige Fragen zum Projekt sind zu diesem Zeitpunkt noch ungeklärt, als offizieller Termin für die Fertigstellung ist der 25. Jahrestag der DDR, der 7. Oktober 1974, anvisiert. Im Angesicht der gewaltigen Moritzbastei-Ruine sind die Studenten nur schwer für den Wiederaufbau zu begeistern. Zum ersten Arbeitseinsatz nach dem symbolischen Akt einen Tag später erscheinen genau drei Studenten: Werner Teichmann und die beiden Journalistik-Studenten Michael Richter und Jochen Wisotzki.

In der Universitätszeitung rufen die FDJ-Leitungen der einelnen Sektionen immer wieder zu Arbeitseinsätzen an der Bastei auf. Auch die Sektion Physik führt einen Einsatz durch, deren FDJ-Leitung Angela Kasner angehörte. Sie ist damit sicher die bekannteste Aufbauhelferin der Moritzbastei.

Am 21. Juni spielen die Leipziger Jazz-Enthusiasten das erste Baustellenkonzert in der Moritzbastei, dem viele weitere Veranstaltungen folgen sollten. Herausragend sind sicher die Konzerte mit Renft, James C. Booker sowie die Auftritte des Studentenkabaretts Academixer um Jürgen Hart, Christian Becher, Bernd-Lutz Lange und Günther Böhnke.

Da sich ursprüngliche Planung schnell als utopisch erweist, wird zum angedachten Fertigsstellungstermin im Oktober 1974 die "Oktobertonne" als provisorischer Veranstaltungsraum der Öffentlichkeit präsentiert. Die Tonne wird später wieder umgestaltet.

1974-1979
In 150.000 unbezahlten Arbeitsstunden werden rund 40.000 Kubikmeter Schutt entfernt. Rund 30.000 Studenten arbeiten während der Bauphase an der Moritzbastei. Diese avanciert zur bekanntesten "Schwarzbaustelle” der DDR, da die Kosten alle Planungen sprengten.

1977
Am 4. Februar ist das offizielle Richtfest auf dem Dach der Bastei. Polier Manfred Gangloff von der Firma Werner mauert eine Kassette mit Bauplänen und Tageszeitungen in die Basteimauern ein.

1978
Aufgrund der immer weiter ausufernden Kosten - Schätzungen gehen von mehreren Millionen DDR-Mark aus - wird die Außenhandelsfirma VEB Investcommerz für den Fortgang der Bauarbeiten verantwortlich gemacht. Der Innenausbau wird durch Fachfirmen durchgeführt. Auch Strafgefangene werden auf der Basteibaustelle eingesetzt.

1979
Am 8. Februar wird die 100.000 freiwillige Arbeitsstunde gefeiert.  Besonders fleißige HelferInnen werden mit einer Ehrenkarte ausgezeichnet, die zum lebenslangen freien Eintritt in die Moritzbastei berechtigt.

Zum 570. Jahrestag der Universität Leipzig wird am 1. Dezember der erste Bauabschnitt - der jetzige Oberkeller - feierlich übergeben, der regelmäßige Veranstaltungsbetrieb beginnt.

1982
Am 5. Februar wird das gesamte Gebäude als offizieller Studentenklub der Karl-Marx-Universität der Öffentlichkeit übergeben.

In den folgenden Jahren gilt die Moritzbastei als "größter Studentenclub Europas", obwohl diese Selbsteinschätzung keine begründeten Fakten zugrunde liegen. Der Betrieb der Moritzbastei wird durch die Klubleitung organisiert, viele Arbeitsgruppen gestalten das Programm und den Barbetrieb. Tickets werden nur an Studenten verkauft, die jeweils einen nichtstudentischen Gast mitbringen dürfen. Lange Schlangen vor den Toren der "MB" gehören zum Alltag.

Das Kulturleben wurde durch staatliche Stellen geprüft und genehmigt. Die Moritzbastei war kein Ort oppositioneller Kultur, obwohl kritische Programme von Wenzel & Mensching, Sascha Anderson, Pankow und den so genannten anderen Bands keine Seltenheit waren.

1989-1992
In der Wendezeit ist die Moritzbastei ein wichtiger Raum für Diskussionen und Begegnungen. Politisch engagierte Studenten organisieren Foren, Runde Tische und kulturelle Veranstaltungen, welche die Zukunft der DDR-Gesellschaft thematisieren.

Seite 1: Die Moritzbastei 1551-1943
Seite 2: Dornröschenschlaf 1943-1973
Seite 3: Vom Wiederaufbau bis zur Wiedervereinigung 1973-1990
Seite 4: Die Stifung Moritzbastei nach 1993