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Die Stiftung Moritzbastei nach 1993

1991
Am 25. Juli tritt das Sächsische Hochschulerneuerungsgesetz in Kraft. Hochschulen in Sachsen dürfen demnach keine Aufgaben mehr ausüben, die nicht Forschung und Lehre dienen. Die Moritzbastei darf daher nicht mehr wie bisher formal durch die Universität Leipzig betrieben werden.

1992
Die Stadt Leipzig bittet die Universität um die Rückführung des Eigentums an Grund und Boden an der Moritzbastei. Allen Mitarbeitern des Hauses wird zum 31.12.1992 gekündigt. Die Leitung der Moritzbastei und der Moritzbastei e.V. rufen zu Demonstrationen zum Erhalt der Moritzbastei als Studentenklub auf.

1993
Nach Verhandlungen mit dem Freistaat Sachsen und der Stadt Leipzig wird die universitäre Stiftung Moritzbastei gegründet. Die Stiftung erhält für 30 Jahre das Erbpachtrecht für die Immobilie Moritzbastei, der Pachtzins beträgt 1 DM. Die Stiftung erhält keine weiteren Fördermittel durch die Stadt oder das Land. Als Betreiber wird die Moritzbastei Betriebs GmbH gegründet und eingesetzt. Die vorher bei der Universität angestellten Mitarbeiter erhalten neue Arbeitsverträge.

1990er Jahre
Die Kulturlandschaft Leipzigs erlebt einen grundlegenden Wandel. Die Moritzbastei verliert ihre Rolle als bisher einzige Kultureinrichtung ihrer Größenordnung. Es entstehen unzählige Kneipen, Clubs und soziokulturelle Zentren, Leipzig entwickelt sich zum Eldorado der Subkultur. Die Besucherzahlen der Moritzbastei gehen deutlich zurück. Aufgrund der wirtschaftlichen Selbständigkeit ohne öffentliche Subventionen entwickelt die Moritzbastei sich zum professionellen Kulturdienstleister. Das Bankettgeschäft wird aufgebaut, die Moritzbastei wird zum führenden Anbieter für exklusive gastronomische Veranstaltungen in Leipzig. Im Sinne des Stiftungsauftrages werden alle erwirtschafteten Erträge in den Erhalt der Moritzbastei und in das kulturelle Programm reinvestiert.

1994
Die Moritzbastei wird als erstes ostdeutsches Kulturzentrum Mitglied des europäischen Kulturnetzwerkes Trans Europe Halles. In den Folgejahren gastieren Kulturzentren aus verschiedenen europäischen Ländern in Leipzig. Die "Internationalen Wochen" werden u.a. durch schwedische, niederländische, englische und spanische Kulturzentren gestaltet.

1998
Die Universität verkauft das Universitätshochhaus an eine Bank. Die Moritzbastei organisiert die größte Party ihrer bisherigen Geschichte, die Uniriesen-Auszugsparty. Künstler, Veranstalter und Szenegastronomen aus der ganzen Stadt verwandeln die einzelnen Etagen des Hochauses in Ausstellungen, Konzertbühnen und Partyfloors. Nach 5000 verkauften Tickets muss der Einlass gestoppt werden, geschätzte weitere 5000 Menschen müssen abgewiesen werden. Die Party endet in den frühen Morgenstunden im Chaos, aber glücklicherweise ohne Zwischenfälle.

1999
Als eines der ersten Kulturzentren Leipzigs startet die Moritzbastei ihren Internetauftritt.

2000
Die Moritzbastei geht durch die weltweite Boulevardpresse, nachdem Paparazzi Britney Spears beim Verlassen der Bastei nach einer Halloweenparty ihrer Crew fotografieren. Die sichtlich angetrunkene Sängerin hatte bis dahin öffentlich behauptet, keinen Alkohol zu trinken.

2001
Phillip Boa beginnt die Tradition der Weihnachtskonzerte in der Moritzbastei. In den Folgejahren treten Künstler wie Olaf Schubert, Die Art oder Engerling mit ihren Shows im Dezember auf, der sich damit zum Traditionsmonat entwickelt.

2003
Die Moritzbastei feiert in einer großen Festwoche den 450. Jahrestag ihrer Erbauung.

2007/08
In Leipzig gründet sich die Initiative "Leipzig + Kultur" neu, die für eine angemessene Förderung der freien Kulturszene eintritt. Die Moritzbastei engagiert sich federführend, 2008 beschließt der Stadtrat, ab 2013 fünf Prozent der Kulturförderung an die Freie Szene auszureichen. Im Jahr 2008 starten die Leipziger Kulturpaten, das Projekt wird durch die Moritzbastei mit initiiert und bis heute im Beirat begleitet.

2009
Die Grundsteinlegung für den Wiederaufbau jährt sich zum 35. Mal. Gleichzeitig beginnt die grundlegende Sanierung der Außenmauern der Moritzbastei, die 2011 abgeschlossen wird.

Seite 1: Die Moritzbastei 1551-1943
Seite 2: Dornröschenschlaf 1943-1973
Seite 3: Vom Wiederaufbau bis zur Wiedervereinigung 1973-1990
Seite 4: Die Stifung Moritzbastei nach 1993